Mode

Herrenmoden 1830 – 1910: Die Evolution des Anzugs

Ich wurde jetzt schon öfter gebeten, mich auch mal mit Herrenmode zu befassen. Es stimmt, dass ich eigentlich eher auf Damenmode spezialisiert bin, da ich – ich sage es mal ganz ehrlich – die Herrenmode des 19. Jahrhunderts ein bisschen langweilig finde. In der Damenmode spiegeln sich die Trends der Epoche wider – kulturell wie gesellschaftlich – und während das auch die Herrenmode natürlich tut, tut sie es doch deutlich subtiler und wird vor allem gegen Mitte des Jahrhunderts ein bisschen eintönig.

Aufklärung & Romantik: Die Mode des neuen Jahrhunderts

Trotzdem möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten, welche Trends und Veränderungen die Herrenmode der Jahre 1830 – 1920 gesehen hat und was sie uns über gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen erzählen kann. Deshalb muss ich noch ein wenig weiter zurückgreifen, denn im Jahr 1830 stecken wir mitten in der Romantik und in der Rückkehr zu Idealen des 18. Jahrhunderts nach der nüchternen Aufklärung, die sich von diesen bewusst abgewendet hatte. Noch knapp 40 Jahre zuvor trugen Männer lange Haare, Seidenstrümpfe und Kniebundhosen, sodass die deutlich nüchternere Mode der 1830er Jahre wie ein krasser Gegensatz wirkt.

Für das Abwenden von der extravaganten Mode des 18. Jahrhunderts gibt es mehrere Gründe. Einerseits natürlich die Romantik, die auf natürlichere, elegante Mode setzt, aber auch das Wiederentdecken antiker Ideale. Besonders in Großbritannien setzt der Neoklassizismus ein, der ein idealisiertes, sehr kultiviertes Bild der griechischen und römischen Antike malt, das sich auch auf die Herrenmode auswirkt. Auch die Ideale der Französischen Revolution, die sich in Europa und Amerika verbreiteten, trugen natürlich ihren Teil dazu bei, dass die extravagante Mode, die mit dem Adel verbunden wurde, nun abgelehnt wurde.

Deshalb ist die Herrenmode des sehr frühen 19. Jahrhunderts mit einem mal so schlicht. Statt bunter Seide werden jetzt Wolle, Baumwolle und Wildleder in gedeckten Farben getragen, statt Kniebundhosen mit Seidenstrümpfen trägt man lange Hosen und statt des langen, oft grau gepuderten Haares kommt das Echthaar wieder in Mode, meistens kurz geschnitten und entweder zu Locken gebrannt oder mit Haarwachs zum Seitenscheitel frisiert. Die Dandybewegung, die um 1800 einsetzt und ein sehr elegantes, gepflegtes Äußeres vorschreibt, beeinträchtigt diese Moden ebenfalls maßgeblich.


1830 – 1849: Taille, Korsett und Locken

Links: Anzug, amerikanisch, ca. 1830 – 1840 | Mitte: Weste, amerikanisch, ca. 1845 | Rechts: Mantel, amerikanisch, ca. 1835 – 1845 (Met Museum)

Die Mode der 1830er Jahre ist im Großen und Ganzen die Mode der 1820er Jahre und zeichnet sich sehr deutlich durch stark betonte Taillen und Hüften aus: Im frühen 19. Jahrhundert ähnelt das männliche Schönheitsideal noch sehr deutlich dem weiblichen und deshalb wird die schmale Taille auch in der Herrenmode durch das Tragen eines Korsetts erreicht. Westen und Röcke betonen die Taille ebenfalls, denn sie enden oberhalb der Hüfte und sind in der Taille sehr eng geschnitten. Besonders an dem Mantel oben rechts könnt ihr diese Ideal-Figur gut sehen.

Unter den meist zweireihigen Westen trug man ein schlichtes weißes Hemd mit einem aufgestellten Kragen. Der ebenfalls meist zweireihige Schwalbenschwanzfrack mit den zwei Rockschößen wird im Verlauf der 1830er Jahre langsam vom taillierten Gehrock abgelöst. Vorn endet er oft oberhalb der Hüften, um die Taille zu betonen, hinten ist er knapp wadenlang geschnitten. Er kann aber auch ringsum wadenlang getragen werden. Bis ungefähr 1837 konnten Brust und Schultern dieser Gehröcke gepolstert sein, um die Taille im Kontrast noch schmaler erscheinen zu lassen.

Die Weste ist das Kleidungsstück, bei dem man weiterhin exzentrisch sein darf. Westen kommen in den 1830er und 1840er Jahren in allen Farben und Mustern. Sie können bestickt sein oder einfach bunt kariert, je nach Geschmack des Trägers. In den 1830er Jahren haben Westen oft einen hohen Kragen, der in den 1840er Jahren wegfällt. Um den aufgestellten Kragen von Hemd und gegebenenfalls Weste trug man eine Halsbinde, die auf verschiedene Weisen geknotet sein konnte und ebenfalls bunt und/oder gemustert sein durfte.

Links: Lev Wittgenstein in Nachmittagsmode, 1836 | Mitte: Charles William Bury, 1835 | Rechts: Maximilian Todesco, 1846

Dazu trägt man eine knöchellange, etwas weiter geschnittene Hose mit hoher Taille aus Baumwolle. Diese kann bei Tagesmode hellbraun, dunkelbraun oder grau sein und ist besonders bei formeller Tagesmode manchmal gestreift oder kariert. Der Trend geht in den 1830er und 1840er Jahren generell zu gedeckten, dunklen Farben für “normale” Tagesmode und hellere Farben für formelle Tagesmode, die man zu gesellschaftlichen Events am Tag trägt. Das Haar wird mit Seitenscheitel entweder glatt oder romantisch gelockt und kurz getragen. Koteletten sind praktisch ein Muss, der Schnurrbart ist optional, aber modern. Abgerundet wird alles durch einen Zylinder.

Generell wird im gesamten Jahrhundert zwischen verschiedenen Arten von Mode unterschieden: Informelle Alltagsmode, formelle Tagesmode und formelle Abendmode. Was man zu welcher Tageszeit und zu welchen Anlässen trägt, ist wichtige Etikette. Tagsüber trägt man formelle Tagesmode zum Beispiel zu gehobenen gesellschaftlichen Zusammentreffen, aber auch zu geschäftlichen Verhandlungen oder generell zur Arbeit, wenn man einer als gehoben angesehenen Tätigkeit nachgeht. Informelle Alltagsmode trägt man demnach zu privaten Ausflügen und formelle Abendmode natürlich zu Bällen, Dinners und anderen Abendgesellschaften.

Was ich jetzt zur Abendmode schreibe, schreibe ich nur einmal, denn es gilt – natürlich je nach Stil des Jahrzehnts – für das gesamte Zeitalter: Der Abendanzug, bis in die 1880er immer ein Frack mit Schwalbenschwanzschößen, hat schwarz zu sein, und wird durch eine weiße Weste und ein weißes Hemd kontrastiert. Formelle Westen sind tagsüber und abends meist tiefer ausgeschnitten, damit mehr des sehr feinen, weißen Hemdes, das als Statussymbol gilt, herausschaut, während Westen, die man im Alltag trug, höher geknöpft werden. Die Halsbinde kann zu formeller Mode weiß oder schwarz sein.


1850 – 1869: Einfarbig, nüchtern respektierlich

Links: Abendweste, französisch, ca. 1855-60 | Mitte: Weste, amerikanisch, 1850er | Rechts: Ditto-Anzug, amerikanisch, ca. 1867

Auch in den 1850er und frühen 1860er Jahren ändert sich in der Herrenmode noch nicht ganz so viel, zumindest nicht außerhalb der kleinen Details. Die Taille ist bereits in den 1840er Jahren ein bisschen nach unten gewandert und dieser Trend setzt sich in den 1850er Jahren fort, bis die Weste nicht mehr über den Hüften sitzt, sondern darauf. Der taillierte Gehrock wird jetzt meistens nur noch einreihig getragen. Die deutlich weniger schmale und betonte Taille ist sicherlich die größte Entwicklung in der Herrenmode dieser Zeit.

In den 1850er Jahren kommt als informelle Kleidung langsam das kürzere, nicht taillierte Sakko auf. Eine sehr locker geschneiderte Form wird in den späten 1860er Jahren als lounge wear im eigenen Haus mit ebenfalls weit geschnittenen Hosen getragen. Dieser sogenannte “Lounge Suit” ist meist aus heller Baumwolle. Nur der oberste Knopf des Sakkos wird geschlossen, sodass die Weste darunter hervorschauen kann. Der Lounge Suit wird in den 1870er Jahren salonfähig, noch in den 1860er Jahren wird er aber nicht auf der Straße getragen. Zu formellen Anlässen am Tag bleibt der Cutaway-Rock Pflicht.

Außerdem wird ab den 1850er Jahren zum ersten Mal nicht mehr nur fröhlich kombiniert: Hose, Weste und Gehrock haben jetzt immer öfter dieselbe Farbe und zwar meistens Braun-, Schwarz- oder Grautöne. Dieser dreiteilige Anzug wird Ditto-Anzug genannt. Er ist ein neuer Trend, aber nicht unbedingt ein Muss und hat sich auch noch nicht wirklich bewährt. Die bunt gemusterten Westen und karierten Hosen der 1830er und 1840er werden weiterhin getragen, Kontrast zwischen Gehrock, Weste und Hose ist also immer noch en vogue.

Links: John Naylor, 1857 | Mitte: Zylinder, britisch, 1860er | Rechts: Unbekannter Mann, ca. 1867

Es werden weiterhin weiße Hemden mit aufgestelltem Kragen getragen, doch es bürgert sich langsam ein, dass der Kragen abnehmbar ist, weil er so deutlich leichter zu reinigen ist. Der Kragen kann auch runtergeklappt getragen werden. Mittlerweile wird außerdem der bis heute beliebte Four-in-Hand-Knoten bei Halsbinden und Krawatten bevorzugt. Man kann die Halsbinde jedoch auch weiterhin zur Schleife gebunden tragen. Der Zylinder gehört weiterhin zur Alltagskleidung, bis er in den 1860er Jahren langsam von der berühmten Melone abgelöst wird. Die Melone wird am Tag getragen, während der Zylinder für Abendmode ein Muss bleibt.

Dass die Mode in den späten 1850er und 1860er Jahren schlichter und formloser wird hängt eng mit neuen Ideen von Männlichkeit zusammen, die sich langsam einbürgern. Der Mann als nüchternes, rational denkendes und bescheidenes Oberhaupt der Familie trägt natürlich Kleidung, die dieses neue Ideal ausdrückt. Die vom eleganten, ein bisschen flamboyanten Dandy des späten 18. Jahrhunderts inspirierten schmalen Taillen und kurvigen Hüften passen nicht mehr dazu, wie man den gutbürgerlichen Mann der Mitte des 19. Jahrhunderts sieht. Er ist weiterhin gepflegt und modisch gekleidet, aber die kultivierte Eleganz weicht nüchterner Bescheidenheit.


1870 – 1889: Die Wiederentdeckung der Individualität

Links: Victor Hartman, 1877 | Mitte: Abendweste, amerikanisch, 1885 – 1895 (Met Museum) | Rechts: Edvard Munch, 1889

In den 1870er Jahren wird wie bereits gesagt das nicht taillierte Sakko salonfähig, aber auch der Gehrock bleibt in Mode. Er wird jedoch kürzer und ist nicht mehr betont tailliert geschnitten, sondern hat eine lockerere Naht in der Taille. Auch der Ditto-Anzug setzt sich langsam durch und wird jetzt als modischer verstanden als verschiedenfarbige Westen, Hosen und Sakkos oder Röcke. Das Sakko ist oft bereits so geschnitten, dass nur der obere Knopf geschlossen werden kann, wie es schon im Jahrzehnt zuvor getragen worden war. Der einreihige Cutaway wird bei formellen Anlässen am Tag aber immer noch getragen.

Ab den 1870er Jahren wird zu Abendmode nicht mehr nur die weiße Weste akzeptiert, sondern auch schwarze Westen und weiße Westen mit eleganten Stickereien. Generell wird die Mode wieder lässiger und weniger streng als in der Mitte des 19. Jahrhunderts, genau wie die Damenmode also. Das hängt mit den sich langsam lockernden Moralvorstellungen des späten 19. Jahrhunderts zusammen: Um 1870 beginnt in Europa die Belle Époque, die sich durch florierende Kunst und Kultur auszeichnet und eben auch durch gelockerte gesellschaftliche Konventionen. Das wirkt sich natürlich immer auch auf die Mode aus.

In den 1870er Jahren wird zum Beispiel auch der hohe Hemdkragen kleiner und immer eher umgeklappt getragen. Die Halsbinde bleibt modern, wird aber immer öfter mit dem Four-in-Hand-Knoten getragen. Um 1880 kommt ebenfalls die breite Ascotkrawatte in Mode. Je nach Geschmack kann sie mit einer einfachen Krawattennadel getragen werden oder mit einer exzentrischen Brosche. Die 1870er entdecken die Individualität neu, sodass Geschmack nun sowieso eine große Rolle spielt. Auch das Hemd muss nicht mehr weiß sein, sondern darf – je nach Geschmack – gemustert getragen werden.

In der Mitte der 1880er wird der jahrzehntelang beliebte Frack langsam in der Abendmode durch den informelleren Smoking abgelöst. Das Smokingjackett ist nicht tailliert und hat nur einen oder zwei Knöpfe ungefähr auf Bauchhöhe, die nicht geschlossen werden. Ein langes Schalrevers (meist aus glänzendem Stoff) ist Muss. Man trug diese informellere Abendmode jedoch nur zu informellen Veranstaltungen, wie zum Beispiel zu Dinnerpartys. Auf einen Ball wurde weiterhin der Frack getragen. Kombiniert wurde beides weiterhin mit weißem Hemd, weißer oder schwarzer Weste und mittlerweile fast immer weißer Fliege.


1890 – 1909: Slim Fit, Bügelfalte und Spitzbart

Links: Anzug, britisch, 1894 (Met Museum) | Mitte: Robert de Montesquiou, 1897 | Rechts: Elis Ellis, 1905

Die “naughty nineties”, das fin de siècle, gehen als Höhepunkt der Belle Époque in die europäische und nordamerikanische Geschichte ein, doch die deutlich gelockerten Moralvorstellungen und der Einfluss von Bohème und Aesthetic Dress sind in der Männermode außerhalb von Künstlerkreisen und der neuen Dandybewegung leider nicht so prominent. Das Sakko hat den Rock mittlerweile so gut wie überall ins Reich der formellen Mode verbannt und der Ditto-Anzug bleibt ebenfalls beliebt: Er wird in Schwarz-, Grau- und Brauntönen getragen, kann aber auch kariert sein, und im Sommer beige oder sogar weiß.

Die 1890er werden jedoch zumindest wieder ein bisschen abwechslungsreicher, denn während Hose und Sakko meistens (aber nicht immer) einfarbig waren, war die bunte, gemusterte Weste zurück. Auch der extravagant hohe Kragen war wieder da, wurde jedoch umgeschlagen meistens mit der breiten Ascotkrawatte getragen. Im Verlauf der 1890er macht aber auch die zur Schleife gebundene Halsbinde ein Comeback. Generell ist Herrenmode auch wieder schmaler geschnitten und nicht mehr so weit und kastig wie in den 1870er Jahren. Jacketts sind auch oft wieder leicht tailliert.

Dieser schmale, als sportlich angesehene Look bleibt auch in den 1900ern erhalten. Hinzu kommt im Verlauf des Jahrzehnts die Bügelfalte, wie ihr sie oben rechts an der Hose von Schauspieler Elis Ellis sehen könnt. Tagesanzüge sind zwar weiterhin meist in Schwarz-, Grau- und Brauntönen gehalten, extravagantere Experimente sind aber mittlerweile möglich. So war der Dandy Robert de Montesquiou um 1900 zum Beispiel für seine Liebe für Anzüge in Pastellfarben bekannt. Sehr berühmt war sein mandelgrüner Anzug, den er mit weißer Samtweste trug. Besonders Westen und Krawatten dürfen bei Tageskleidung wild gemustert und bunt sein.

Das Haar wurde jetzt endgültig sehr kurz getragen und zum Seitenscheitel frisiert, meist mit der Hilfe von Haarwachs. Die Kombination von großem Schnurrbart und kleinem Spitzbart, wie sie Robert de Montesquiou oben in der Mitte trägt, war sehr beliebt. Tagsüber trug man weiterhin die Melone oder den mittlerweile sehr beliebten Homburg, der einen Mittelkniff hat, mit Abendmode jedoch weiterhin den Zylinder. Der flache Strohhut, der sich in den 1880er Jahren bereits für Segel- und Sommermode durchgesetzt hatte, gewinnt ebenfalls bei schönem Frühlings- und Sommerwetter an Beliebtheit.


Ausblick: Legere Mode und Peacock Revolution

1914 kommt die Belle Époque zu einem jähen Ende. Während die Damenmode sich im Zuge von sich lockernden Moralvorstellungen und neuen kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts beinahe vollständig neu erfunden hat, tut sich in der Herrenmode auch nach 1910 erstmal nicht ganz so viel. Der Ditto-Anzug bleibt beliebt und wird vermehrt mit Ascotkrawatte und Homburg oder Melone getragen, im Sommer ist auch der flache Strohhut weiterhin ein gern gesehenes Accessoire.

Die konservative Herrenmode verändert sich auch für weite Teile des 20. Jahrhunderts nur noch wenig. Der dreiteilige Anzug bleibt ein Muss, bloß die Schnitte verändern sich immer wieder. Die 1920er sehen zum Beispiel deutlich kürzere Sakkos und verbannen das lange Sakko endgültig in die Abendmode, der Frack verschwindet vollständig aus der Mode. Anzüge bleiben aber bis in die frühen 1960er die konservative Alltagsmode, bis sich Mode in den 1960ern zum ersten Mal in zahlreiche Subkulturen aufsplittert und zum Beispiel ein weiteres Dandy-Revival sieht. Der klassische dunkle Anzug gilt jetzt als sehr formell und im Alltag als ein bisschen altmodisch.

Schon Mitte der 1920er kommen aber auch neue, lockerere Moden besonders für modebewusste und/oder junge Männer hinzu. Die Oxfordhose mit sehr weitem Schlag wird besonders von Studenten getragen, ähnlich wie Pullover und Pullunder, die natürlich deutlich informeller sind, als Hemd und Sakko. Nach dem zweiten Weltkrieg werden Pullover, leichtere Stoffhosen und andere informelle Kleidungsstücke immer salonfähiger. In den 1950ern wird die Jeans besonders bei Jugendlichen beliebt und die bereits in den 1920ern getragene Motorradjacke aus Leder wird ein Mode-Statement, nachdem Marlon Brando sie in einem Film trägt.

In den 1960er und 1970er Jahren entdeckt die Männermode während der sogenannten “Peacock Revolution” mit Samt, Seide, intensiven Farben, Rüschen, Spitze, langen Haaren und hohen Schuhen dann zum ersten Mal seit fast zweihundert Jahren die alte farbenfrohe Extravaganz wieder, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts verloren gegangen war. Konservativere Männer trugen diese neuen Moden aber natürlich nicht und sahen sie zudem als Zeichen für den Zerfall ihrer Gesellschaft und ihrer Wertesysteme, weniger als Abwerfen alter Konventionen und als Herausfordern von Geschlechterrollen, die längst überholt waren.


Selbst nachlesen?

Ashelford, Jane: The Art of Dress. 1996.

Byrd, Penelope: The Male Image. Men’s fashion in England 1300-1970. 1979.


Beitragsbild: Modezeichnung, “American Fashions”, 1891

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2 Kommentare

  • Daniela, der Buchvogel

    Du hast Recht, die Herrenmode ist wirklich ein bisschen langweilig. Ich finde interessant, wie sich die Details gewandelt haben und es doch Trends gab. Auch dein Vor- und Ausblick ist passend. Normalerweise interessiere ich mich gar nicht für Mode, lese aber immer bei dir und verstehe langsam, wie gesellschaftliche Konventionen sich in der Mode widerspiegeln. Dein Blog hat mich also wirklich weitergebracht.
    Frohe Weihnachten
    Daniela

    20. Dezember 2019 at 10:27 Reply
    • Katriona

      Hallo Daniela! Danke für den Kommentar, ich habe mich richtig darüber gefreut. Dieses Zusammenspiel von Mode und Gesellschaft/Politik interessiert mich ja am meisten, deshalb freue ich mich, dass das rauskam.
      Dir auch frohe Weihnachten,
      Kat

      21. Dezember 2019 at 19:51 Reply

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