Leben im 19. Jahrhundert

Die prüden Viktorianer – Klischee und Mythos

Ein Fehler, der oft passiert, wenn jemand beginnt sich mit der Kultur und den Menschen des neunzehnten Jahrhunderts – besonders mit den britischen Viktorianern – auseinanderzusetzen ist, dass von vorn herein angenommen wird, die Menschen des langen neunzehnten Jahrhunderts wären prüde gewesen, streng und humorlos. Dieses öffentliche Bild, das von den Menschen des neunzehnten Jahrhunderts entstanden ist, ist so weit verbreitet, wie unvollständig.

Die typischen Marker sind Damen in bis zum Kinn zugeknöpften Kleidern, Herren, die beim Anblick eines weiblichen Fußknöchels in Ohnmacht fallen, ein hohes Moralempfinden und verklemmte Sexualität. Die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts aber waren komplexer, viel komplexer, als uns Filme, Romane und teilweise populärwissenschaftliche Dokumentationen weismachen wollen. Ich habe dieses Blog ins Leben gerufen, um mit einigen dieser falschen Klischeebilder aufzuräumen.

Was wir uns alle zu Herzen nehmen sollten, bevor wir unsere Reise in die lange, spannende Epoche beginnen, ist, dass immer mehr dahinter steckt, als auf den ersten Blick sichtbar ist.  Das neunzehnte Jahrhundert ist eine komplexe, rasante Zeit und es braucht einiges an Interesse und Ausdauer, um sie verstehen zu lernen. Mit diesem Artikel kann ich daher keinesfalls alle Werkzeuge dafür zur Hand geben, aber ich kann vielleicht den Anstoß geben, sich tiefer mit Zeit und Menschen zu beschäftigen, unter die Oberfläche zu blicken. Hinter den Vorhang.

Denn eins verunsichert viele Menschen nicht selten: Die infame Doppelmoral des neunzehnten Jahrhunderts. Ja, wir sehen in manchen Primärquellen aus der Epoche den moralisch gefestigten, unantastbaren Viktorianer. Doch wir müssen weiterschauen als das, denn er ist ein Idealbild und genau wie es auch heute noch mit Idealbildern ist, hat kein lebendiger Mensch das Ideal wirklich erreichen können – oder erreichen wollen. Ich möchte heute kurz die gängigsten Klischees anreißen.


Inhaltswarnung
NSFW (Gemälde)

„Die Viktorianer haben nie gelächelt – Sie waren steif und humorlos.“

Schnappschüsse aus dem späten 19. Jahrhundert | Links: Herumalbernde Viktorianer, ca. 1890er | Mitte: Queen Victoria lächelt, 1892 | Rechts: Lächelnde Edwardianer, ca. 1900

Schaut man sich viktorianische Porträtfotografien an, stehen die Menschen oft mit gradem Rücken da, lächeln nicht und tragen makellose Kleidung. Das Unverständnis für diese Art der Fotografie hat ein Stereotyp heraufbeschworen, das sich hartnäckig hält und hält: Die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts müssen streng und humorlos gewesen sein. Doch natürlich greift der Grund für die verschlossenen Gesichter tiefer. Besonders im frühen neunzehnten Jahrhundert waren Fotografien selbst für wohlhabende Menschen sehr teuer.

Fotografien waren keine Wegwerfware wie heute, sondern kamen gemalten Porträts gleich. Sie sollten die dargestellte Person repräsentieren und man zog seine schönsten Sachen an und bemühte sich elegant und schön auszusehen, denn das Bild konnte wegen der hohen Kosten nicht einfach wiederholt werden. Deshalb sieht man auch manchmal nachträglich aufgemalte Augen: Wer bei einem Foto heute blinzelt, lässt einfach noch eins machen. Damals wäre das viel zu teuer gewesen, selbst für wohlhabende Menschen.

Im späteren Verlauf des Jahrhunderts wurden Fotos deutlich günstiger und die Belichtungszeit kürzer: Man musste nicht mehr minutenlang stillhalten, um das Bild nicht zu verwackeln, ein weiterer Grund, warum nicht so viel gelächelt wurde. Versucht mal minutenlang ein Lächeln zu halten. Aus dem späten 19. Jahrhundert gibt es daher deutlich mehr Fotos von lächelnden Menschen. Um 1900 kommen mit den ersten tragbaren Kameras auch die ersten Schnappschüsse auf, von denen einige sehr viel Lebensfreude versprühen.

Und selbst aus der Zeit von langer Belichtungszeit und teuren Foto-Porträts gibt es ein paar schöne Aufnahmen von lächelnden oder herumalbernden Viktorianern. Sogar von Adeligen, wie Königin Victoria, aber auch dem russischen Zar Nikolai II. gibt es Fotos auf denen sie lächeln und Spaß haben. Der immer strenge, immer anständige Viktorianer ist also nichts als ein trauriges Klischee, das uns einen großen Teil der Lebensrealität des 19. Jahrhunderts vorenthält.

Viktorianischer Humor und seine Grenzen

Lächelnde Frauen, zwischen ca. 1860 – 1900

Von Porträtfotos auf die Werte und Ideale einer gesamten Gesellschaft zu schließen, ist also gefährlich, denn man sitzt viel zu leicht Trugschlüssen und falschen Fakten auf, die sich wie Lauffeuer im Internet verbreitet haben und für bare Münze genommen werden. Diese gehen so weit, dass vielen Menschen Bilder von Menschen in der Kleidung des neunzehnten Jahrhunderts, die lachen, merkwürdig vorkommen. Vielleicht, weil es nicht in das Bild passt, das sie von der Ära haben.

Vielleicht auch, weil es die Menschen lebendiger wirken lässt, echter. Zumindest wird immer wieder von “seltenen” Bildern gesprochen, auf denen Viktorianer lachen, was im Gegensatz dazu steht, dass diese “seltenen” Bilder mittlerweile zu hunderten in Fotostrecken auf Buzzfeed und Co. zu finden sind. Sieh an. So selten sind diese Fotos also doch nicht. Natürlich nicht, denn die Menschen des 19. Jahrhunderts waren keine immer strengen, verbitterten Spaßverderber.

Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts sehr wohl Humor hatten. Jedoch ist es der Humor einer anderen Gesellschaft, den wir heute vielleicht kaum noch nachvollziehen können, basierend auf anderen kulturellen und gesellschaftlichen Umständen und Normen. Um noch einmal zu den Fotografien zurückzukommen: Zum Beispiel war es durchaus sehr beliebt, durch frühe Fotomanipulation Spaßfotos zu erstellen: So gab es eine Zeit lang die Mode, sich zum Beispiel mit dem Kopf unter dem Arm darstellen zu lassen, einfach, weil man konnte.

Desweiteren liebten die Viktorianer komische Theaterstücke und Burlesquen, es gab Satiremagazine, komische Romane und Witze, die die Runde machten, Karikaturen und dergleichen mehr. Kurz könnte man sagen: Die Menschen des neunzehnten Jahrhunderts waren keinesfalls humorlos. Sie hatten einen anderen Humor, den wir heute vielleicht oft nicht mehr verstehen können und der manchmal auch die Grenzen unseres Moralverständnisses überschreitet. Eine ausgestopfte Maus in einer Weihnachtskarte finden wir heute sicherlich nicht mehr lustig. Die Viktorianer aber haben über solche Späße herzhaft gelacht.

„Die Viktorianer waren verklemmt, prüde und streng.“

Links: Schauspielerin Alice Jonson, ca. 1890 | Mitte: Edwardianischer Kuss, ca. 1910 | Rechts: Unbekannte Schauspielerin, ca. 1880-1900

Die prüden Viktorianer… Dies ist ein Stereotyp, der sich schwerer von der Hand weisen lässt. Ja, die Menschen im neunzehnten Jahrhundert wollten um jeden Preis respektabel sein. Es gab strenge gesellschaftliche Regeln, Etiketten und sehr schmale Rollenbilder und Muster, in die Männer und besonders Frauen zu passen hatten. Hier komme ich erneut auf das Ideal zu sprechen, das ich oben erwähnt habe: Im Gegensatz zu heute, war das Ideal eine sehr schmale Schublade, so schmal, das wirklich niemand hineingepasst hat.

Es ist wichtig zu verstehen, dass viele Menschen des neunzehnten Jahrhunderts an den strengen Rollenbildern und Idealen ihrer Zeit zerbrochen sind. Es ist jedoch auch wichtig zu verstehen, dass ein Idealbild niemals die echten Menschen widerspiegelt, die in einer Gesellschaft leben. Meiner Meinung nach ist dieser hier der gefährlichste Trugschluss, zu dem Menschen kommen, wenn sie über die viktorianischen Jahre, oder generell über die Vergangenheit, sprechen. Er macht Schicksale, wichtige Aspekte und kontroverse Diskurse des neunzehnten Jahrhunderts unsichtbar.

Der respektable Viktorianer kennt in den Augen vieler Menschen weder Prostitution, noch Pornografie, noch hat er Spaß an Sex, noch weiß er, dass Queerness  existiert, noch kann er den Anblick eines nackten Körpers akzeptieren. Diese Darstellung der Epoche finde ich gefährlich. Es ist wahr, dass die viktorianische Moral ein Ablehnen alles Sexuellen und ganz besonders des in den Augen des Viktorianers sexuell Verwerflichen vorsah. Sexualität sollte unterdrückt werden. Die Viktorianer hatten ganz gewiss ein gestörtes Verhältnis zur eigenen Sexualität – das bedeutet nicht, dass sie gar keine hatten oder, dass jeder Mensch tatsächlich geglaubt hat, Sexualität sei etwas Schlechtes.

Denn: Viktorianische Männer, respektable, in der Gesellschaft angesehene Männer, haben zum Beispiel durchaus oft Bordelle besucht. Tatsächlich war die Prostitution in London im neunzehnten Jahrhundert ein so großes Problem, dass die Regierung verzweifelte Maßnahmen traf, um sie einzudämmen, die leider meist auf Kosten der Sexworker.innen erfolgten. Die Menschen lebten mit der Prostitution. Auch feine Mitglieder der High Society wussten von der Prostitution. Männer aus den höchsten Kreisen besuchten Prostituierte. Das Leben mit der Prostitution ist ein Punkt, der zum viktorianischen Zeitalter fest dazu gehört, etwas, das für viele Menschen aufgrund von Stereotypen nicht möglich scheint.

Sexualität im 19. Jahrhundert

Erotisch aufgeladenes Skandalbild | “Femme nue couchée”, Gustave Courbet, 1862

Auch Pornographie gab es. Wie Sand am Meer tatsächlich. Natürlich wurde sie unter der Hand gehandelt und es wurde nicht öffentlich darüber gesprochen – obwohl man sich wohl sicher sein kann, dass die Menschen im Privaten sehr wohl darüber gesprochen und vielleicht sogar Schriften und Bilder getauscht haben. Sehr bekannt ist das viktorianische pornografische Magazin „The Pearl“, aber auch pornografische Fotografien wurden gehandelt.

Wer jetzt glaubt, bei viktorianischer Pornographie müsste es sich um Bilder von entblößten Frauenknöcheln und dergleichen handeln, irrt und steckt noch immer viel zu tief im Bild, das besonders moderne historische Medien vom 19. Jahrhundert malen. Viktorianische Pornografie ist, um es ganz offen zu sagen, hart. Sie ist durch und durch problematisch. Sie umfasst nicht selten krasse Gewaltfantasien. Dies dürfte das Produkt einer Gesellschaft sein, die alles Sexuelle zu Verstecken versucht und als etwas Schmutziges versteht. Wenn Sexualität im Alltag unterdrückt werden muss, lebt man sie im Geheimen wohl umso heftiger aus.

Generell ist auch vieles im Fiktiven erlaubt, was in der Realität nicht erlaubt ist. Nackte Frauenbeine und anzügliche Witze auf der Bühne sind in Ordnung und gelten im 19. Jahrhundert als gelungene Unterhaltung für alle Gesellschaftsklassen. Auch angedeutete Queerness ist auf der Bühne kein Problem. “Male/Female Impersonators” sind beliebte Entertainer.innen und spielen auf der Bühne mit Geschlechterrollen. Abseits der Bühne, im wahren Leben, ist das nicht erlaubt: Das Weltbild der Viktorianer ist durch und durch binär und cis-hetero-normativ.

Viktorianische Moral ist komplex und zweischneidig

Male Impersonators | Vesta Tilley (links) und Lily Elsie (rechts), ca. 1900

Die beliebte “Male Impersonator” Vesta Tilley zum Beispiel, die in Männerkleidung auf der Bühne tausende Zuschauer.innen begeisterte, sah sich gezwungen sich im wahren Leben hyperfeminin zu geben, um bloß nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, sie könnte nicht in das binäre Weltbild ihrer Gesellschaft passen. Das gilt auch besonders für “Female Impersonators”, die sich in Magazinen als harte Kerle ablichten ließen, damit niemand auf die Idee kam das Spiel mit Sexualität und Geschlechterrollen könnte mehr sein als ein Spiel.

Der Viktorianer an sich ist also auf keinen Fall so prüde, verklemmt und streng, wie das Idealbild der Epoche es uns weismachen will: Viel eher spielt er nach außen hin diese Person und geht allem Verruchten und Verbotenen im Geheimen nach. Deshalb ist es sehr schwer überhaupt Aussagen über das viktorianische Verhältnis zu Sexualität und dergleichen zu treffen. Anhand von Ephemera wie erhaltenen Fotografien oder Tagebüchern lässt sich sicherlich einiges ablesen, doch die Viktorianer haben genau wie alle anderen Gesellschaften – auch unsere moderne – gut gesteuert, welches Bild die Nachwelt von ihnen behalten sollte.

Darüber hinaus war ästhetische Nacktheit schon lange kein Tabu mehr. Der Viktorianer an sich erschrickt nicht beim Anblick eines nackten Körpers. Künstlerische Nacktheit ist makellos: Sie zeigt Menschen, die dem Schönheitsideal der Epoche entsprechen. Deshalb wirken nackte Menschen in der Malerei des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts nicht selten künstlich: Sie sind makellos schön, haben keinerlei Körperbehaarung und oft auch keine Geschlechtsmerkmale. Diese Art der Nacktheit kann öffentlich ausgestellt werden, sie ist nicht anstößig.

Deshalb war Gustave Courbets “Schläferin” (oben) im Jahr 1862 auch so ein Skandal: Die Frau ist nicht idealisiert schön und ihre Körperbehaarung ist sichtbar. Reale menschliche Nacktheit wurrde als anstößig empfunden. Um 1900 begannen die ersten Künstler.innen im Rahmen des Expressionismus echte Nacktheit darzustellen, samt Imperfektionen, Körperbehaarung, Geschlechtsmerkmalen, aber auch zum Beispiel der Menstruation oder Geschlechtsverkehr. Diese neue Kunst wirbelte die Gesellschaft auf, fand im Gegenzug jedoch auch sehr viele Anhänger.innen. Und das bringt mich zu meinem Fazit.

Schlusswort – Der ideale Viktorianer gegen den echten Viktorianer 

Worauf ich hinaus möchte ist, dass die Epoche komplex ist und diese Komplexität beachtet werden muss, wenn man sich mit ihr auseinandersetzt. Was bedeutet das im Endeffekt? Es bedeutet, dass es den idealen Viktorianer nicht gibt. Auf den ersten Blick erscheint das nicht erwähnenswert und logisch, doch schaut man sich moderne historische Romane und Filme an, bekommt man nicht selten bloß das Idealbild präsentiert und weniger die komplexe, tiefgreifende Realität der Epoche.

Die viktorianische Moral war streng, prüde und vor allem binär und cis-hetero-normativ: Sie ließ nicht zu, dass jemand aus den für Mann und Frau deutlich vorgeschriebenen Rollen fiel. Sich jetzt vorzustellen, dass es deshalb keine Viktorianer gegeben haben kann, die aus dem Raster fielen, wäre aber zu vereinfacht und würde den Menschen dieser Epoche nicht gerecht werden. Es gab zum Beispiel queere Szenen in viktorianischen Großstädten. Es gab die Frauenbewegung, die sich gegen Ungleichheit einsetzte. Es gab Subkulturen, wie zum Beispiel die Bohème oder viktorianische Dandys, die bewusst Erwartungen und Ideale ablehnten und aufbrachen.

Diese Menschen, Bewegungen und Schicksale sind es, die ich auf Gaiety Girl neben einem kritischen Blick auf Normen und Ideale der Epoche vorstellen möchte. Ich hoffe, dass euch dieser kleine, keineswegs vollständige Abriss neugierig gemacht hat und vielleicht zu eigenen Recherchen anregt und, dass mein Blog in ein paar Monaten bereits ein umfangreiches Bild zur Epoche bietet, das nicht bloß alte Stereotypen und Irrglauben repräsentiert, sondern auch mit ein paar Mythen brechen und die Komplexität der Epoche und ihrer Menschen darstellen kann.


Beitragsbild: Familienfoto, 19. Jahrhundert


Selbst nachlesen?

Bayley, S.: Victorian Values. An Introduction. 2008.

Wilson, A.N.: The Victorians. 2001.

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4 Kommentare

  • Kati

    Meinst du die Guckkästen? Diese Dinger, in die man reingeguckt hat und auf Knopfdruck kam ein neues Bild? Die gibt es schon sehr lange, aber "in" wurden sie so gegen 1750. Der Höhepunkt war dann wohl tatsächlich das viktorianische Zeitalter, wo man die auf jedem Jahrmarkt hatte und wo in London sogar Bettler welche hatten und gegen ein bisschen Geld durfte man dann reingucken. Danke für das Lob. 🙂

    11. September 2012 at 19:55 Reply
  • Maja

    In welcher Zeit sind denn diese beliebten Was-der-Butler-sah Geräte aufgekommen, mit denen man sich auf dem Jahrmarkt ein paar mild pornographische Bilder anschauen konnte? Das müssen doch auch die Viktorianer gewesen sein, wenn ich mich nicht irre… Ich wäre nie auf die Idee gekommen, diese Leute für prüde zu halten, nur weil sie ihre Sexualität nicht so öffentlich auslebten. Danke für den schönen und informativen Artikel!

    11. September 2012 at 19:55 Reply
  • Kati

    Da sprichst du einen Punkt an, der mir so noch gar nicht in den Sinn gekommen ist. Ich hatte in Geschichte niemals Englische Geschichte in der Schule, bei mir kommt das alles eher aus Interesse (wobei ich eh glaube, dass man sich allein, wenn man interessiert ist, eh viel mehr beibringt, als das in der Schule geleistet wird). Ich hatte ganz kurz Industrielle Revolution in Englisch als ich so 14 war und habe damals nur Bahnhof verstanden, weil es auch völlig aus dem Kontext gerissen war. Viele Leute wissen auch gar nicht, was gemeint ist, wenn man von den Viktorianern spricht. Na ja, es kann ja auch keiner erwarten, dass jeder alles weiß. Aber mich macht es immer traurig, wenn ich Bücher in die Finger kriege, die über dieses Äußere, Oberflächliche nicht hinweggehen und sich an jedem Klische ergötzen. Dadurch wird zwar ein Bild von der Zeit gemalt, wie es den meisten vorschwebt, aber eben auch ein arg konstruiertes und keinesfalls realistisches.

    11. September 2012 at 19:55 Reply
  • 50kwords

    Die Bilderserie ist wirklich furchtbar süß. :DIch kann dir nur zustimmen. Die Ahnungslosigkeit kommt aber auch sicher daher, dass diese Zeit so gut wie nie in Hinblick auf die Menschlichkeit Schülern nahe gebracht wird. Wie lange wird immer auf den Römern und Griechen herum geritten, dann kommt mal schnell das Schlagwort Industrielle Revolution, bissl Flaggenen verbrennen in Frankreich wie Deutschland, Weimarer Republik und dann wird wieder ewig auf der Nazi-Zeit herum geritten — wenn man Glück hat, kriegt man noch das danach mit, aber ist eher selten. Schade, sehr schade.Und dann bleibt das Halbwissen, was gar kein Wissen ist, weil man sich privat nicht weiter bildet. Aber wem will man das schon verdenken. Ich setz mich in meiner Freizeit ja auch nicht mit Politik in den tiefsten Tiefen auseinander. ;DNur, wie du schon sagtest — wenn man etwas schreiben/zeichnen/entwerfen will, das in dieser Zeit angesiedelt oder inspiriert ist, ja, da sollte man schon über das Halbwissen hinaus gehen. Wenn man denn nicht nur von Leuten gelesen werden will, die nur das Klischee verlangen.

    11. September 2012 at 19:55 Reply
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